Keratokonus

Bei der Nachfrage nach einer Laserbehandlung und dem ersten Eignungstest, finden wir regelmäßig auch Patienten, die an einem Keratokonus leiden. Sie bemerkten eine permanente Sehverschlechterung und erhofften sich Besserung durch eine Laseroperation. Die Diagnose ist für die Patienten meist ein Schock, denn der Traum vom Leben ohne Brille ist geplatzt, stattdessen müssen sie nun verarbeiten, dass ihr Auge ernsthaft krank ist.

Neu: Der MyoRing, die Alternative für Keratokonus-Patienten

Bei diesem wiederherstellenden Verfahren wird ein sog. MyoRing in die Hornhaut implantiert und stellt so die erforderliche optische Regularität her. Mehr darüber lesen Sie hier.

Was ist ein Keratokonus?

Keratokonus

Als Keratokonus bezeichnet man eine Hornhauterkrankung, bei der sich die Hornhaut zunehmend ausdünnt und vorwölbt. Dadurch entsteht eine optische Irregularität, die für eine zunehmende Sehverschlechterung verantwortlich ist. Die Hornhaut macht den größten Teil der Brechkraft des Auges aus, deshalb sind bereits geringe Veränderungen der Optik mit erheblichen Störungen der Sehfunktion verbunden.

Topografie einer Normhornhaut

Topografie bei Normhornhaut

Die „normale“ Hornhaut ist überall etwa gleich stark gekrümmt (zu sehen an den Dpt-Angaben)

Topografie bei Keratokonus

Topografie bei Keratokonus

Beim Keratokonus ist die Krümmung an verschiedenen Stellen der Hornhaut stark unterschiedlich ausgeprägt

Wie entsteht ein Keratokonus?

Das lässt sich auch heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Man weiß, dass die Genetik eine wichtige Rolle spielt. Auch die Disposition zum Keratokonus ist im Völkergemisch unterschiedlich verteilt: so trifft es Asiaten und Araber deutlich häufiger als Kaukasier (= Europäer). Etwa 1 Promille der europäischen Bevölkerung erkrankt an Keratokonus. Meist tritt der Keratokonus um das 20. Lebensjahr auf, es gibt aber auch einzelne Fälle, wo bereits Kinder betroffen sind.

Der Keratokonus ist eine fortschreitende Erkrankung mit permanenter Sehverschlechterung. Auf Grund seiner genetischen Natur tritt er immer beidseitig auf. Es kann vorkommen, dass er sich klinisch nur einseitig manifestiert. Man spricht dann bei dem scheinbar nicht betroffenen Auge von einem schlummernden Keratokonus, einer sogenannten „forme fruste".

Von diesem quasi „angeborenen“ und „schicksalhaften“ Keratokonus muss man eine Sonderform, die sogenannte „Keratektasie“ unterscheiden. Bei der Keratektasie handelt es sich um einen künstlich erzeugten Keratokonus, dessen Ursachen entweder Verletzungen sind, die eine Hornhautverdünnung hervorrufen oder um die Folgen einer iatrogenen, also vom Arzt erzeugten Hornhautverdünnung, wie sie zum Beispiel bei einer refraktiven Laseroperation absichtlich durchgeführt wird.

Postoperative Keratektasien treten signifikant häufiger auf, wenn die von der KRC vorgegebene Sicherheitsgrenze für die Resthornhautdicke (250 µm) unterschritten wird (für unser Laserzentrum gilt ausnahmslos die Regel, dass in jedem Fall 300 µm Resthornhautdicke bestehen bleiben müssen. Wenn möglich, planen wir zusätzlich noch einmal 10% ein (also insgesamt 330 µm), um ein Polster für eventuelle Nachlaserungen zu haben.

Es gibt auch postoperative Verläufe, bei denen trotz genauer Beachtung aller Regeln dennoch eine Keratektasie auftritt. Vermutlich handelt es sich in diesen Fällen um einen bereits angelegten Keratokonus, der sich noch nicht bemerkbar gemacht hat und der durch die Operation erst aktiviert wurde. Die Frage, ob dieser „schlummernde“ Keratokonus eines Tages auch ohne Operation aufgewacht wäre, wird viel diskutiert – nutzen tut es dem betroffenen Patienten nichts. Glücklicherweise sind diese Fälle extrem selten – in den meisten Fällen sind typische Vorzeichen vorhanden wie sehr dünne Hornhaut, gebogene oder irreguläre Astigmatismusachsen, Auftreten einer zunehmenden Verschlechterung zwischen dem 20. Und 30. Lebensjahr, gravierender Unterschied der bestkorrigierten Sehschärfe (mit Kontaktlinsen 100%, mit Brille 30-40%), Absinken des Hornhaut-Apex nach unten (Apex ist der vorderste Punkt der Hornhautwölbung) und irreguläre Hornhautradien Für die letzten beiden Daten sind Spezialuntersuchungen notwendig, die normalerweise nur ein Augenarzt oder ein gut ausgerüsteter Optiker durchführen kann (Topografie und Pentacam-Aufnahme).

Am Anfang merkt der Patienten meist eine zunehmende Veränderung der Brillenstärke, oft in Verbindung mit Doppelkonturen. Der Augenarzt stellt die Diagnose normalerweise mittels einer topographischen Untersuchung. Diese zeigt meist ein eindeutiges Bild (siehe oben). Im Anfangsstadium zeigt es sich möglicherweise noch nicht so eindeutig, dann sind engmaschige Verlaufskontrollen anzuraten.

Was tun beim Auftreten eines Keratokonus?

Es gibt verschiedene therapeutische Optionen:

Crosslinking

Beim Crosslinking wird versucht, mittels UV-Bestrahlung der Hornhaut die Kollagenfasern stärker zu vernetzen (jeder kennt das Phänomen, dass Kunststoff, der lange in der Sonne liegt, härter wird). Findet man die Veränderung rechtzeitig genug, lassen sich damit prekäre Verläufe stoppen oder zumindest stark verlangsamen. Die Hornhaut darf allerdings noch nicht zu stark verformt sein und die Sehkraft muss noch einigermaßen stimmen. Man „friert den Zustand ein“ – das bedeutet: gut bleibt wahrscheinlich gut, aber leider bleibt schlecht auch schlecht. Es handelt sich beim Crosslinking also nicht um eine wiederherstellende, sondern eher um eine Maßnahme der Schadensbegrenzung.

Implantation von Ringsegmenten

Bei der Implantation von Ringsegmenten in die Hornhaut wird versucht, die aus der Regularität geratene Optik wieder gerade zu ziehen bzw. das Gewebe zu stützen. Im Idealfall gibt es deutliche Sehverbesserungen, die Dauer und Haltbarkeit muss sich erst noch im Laufe der Jahre zeigen.

MyoRing

Eine sehr interessante und vielversprechende Methode wurde von Univ. Doz. Dr. Daxer entwickelt. Er implantiert einen sog. MyoRing in die Hornhaut, der die erforderliche optische Regularität wieder herstellt, wohl auch dauerhaft, wie die Beobachtungen seit 9 Jahren zeigen. Damit steht ein wiederherstellendes, sehkraftverbesserndes Verfahren zur Verfügung. Man darf hoffen, dass sich diese Methode durchsetzt und dadurch die Notwendigkeit von Hornhautverpflanzungen seltener wird.

Dr. Daxer behandelte seine Patienten ursprünglich in Ybbs in Österreich, inzwischen ist die Nachfrage auch in Deutschland so gestiegen, dass er mehrere Male im Monat nach München reist und dort – in den Räumen des Augenlaserteams – betroffene Patienten untersucht und operiert. Nähere Information unter: cisis.com.

Hornhauttransplantation

Die Hornhauttransplantation ist leider oft die Endstation für ausgeprägte Keratokonusverläufe. Sie garantiert nicht die lebenslange Stabilität und auch nicht die volle optische Rehabilitation, aber sie bewahrt die Betroffenen in der Regel vor der Hilflosigkeit sehbeschränkter Menschen.

Rein konservative Behandlung

Eine rein konservative Behandlung gibt es leider nicht. Früher dachte man, das Fortschreiten des Konus durch das Tragen harter Linsen aufhalten oder verlangsamen zu können. Das hat sich inzwischen als Trugschluss erwiesen. Aber natürlich kann man versuchen, die Irregularität durch spezielle Keratokonuslinsen zu kompensieren (unter den Linsen bildet sich eine Art „Gegenlinse“ aus Tränenflüssigkeit) zu reduzieren, so dass man wenigstens einigermaßen – wenn auch unbequem – sehen kann. Außerdem – und das sei die gute Botschaft zum Schluss – kann der Prozess der Vorwölbung in jedem Stadium von selbst zum Stillstand kommen.

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